Så gör Svenskarna

So machen es die Schweden


Zu einem schwedischen Abendessen oder einem Empfang eingeladen zu sein oder nur zum Kaffee ist vielleicht nicht ganz so wie man es in Österreich gewohnt ist. Die Schweden folgen einer Reihe unausgesprochener Regeln und sind sehr verständnisvoll, wenn jemand wider Erwarten gegen die Etikette verstoßen oder sonst ins Fettnäpfchen treten sollte. Die Schweden sind seit Wikingerzeiten ein bereistes Volk und machen selbst vieles falsch, wenn sie im Ausland sind.

Ein privater Gastgeber sieht es nicht gerne, wenn ein Gast seine Straßenschuhe anbehält, da unser Klima mit Schnee und Nässe Schmutz auf Teppiche und Böden bringt. Wir gehen einfach gerne in Socken herum. Bei feineren Anlässen nimmt man ein Paar Schuhe mit, zu denen man bei der Ankunft wechselt. Damen dürfen jedoch niemals Bleistiftsätze tragen, da Kratzer im Parkett eine „Todsünde“ sind.

Das nächste Problem ergibt sich beim Nachhausegehen, wenn alle versuchen, ihre Schuhe zu finden, die in einem Haufen im Vorzimmer liegen. Meistens bekommen alle, unter allgemeinem Gelächter, ihre eigenen Schuhe, aber es kann mitunter passieren, dass man in den Schuhen von jemand anderem nach Hause geht.

Die Großeltern haben uns immer eingebläut, dass man nicht mit leeren Händen auf Besuch gehen soll. Man hat immer etwas mit, eine Flasche Wein, einen Strauß Blumen, etwas Selbstgekochtes oder einen selbst gebackenen Kuchen. Auf keinen Fall sollte es etwas Großartiges oder Übertriebenes sein, um die Gaben der anderen Gäste nicht zu übertreffen. Wenn wir Schweden an etwas festhalten, so ist es das Mitbringsel zu einer Einladung.

Skål! Wir lieben es, einander zuzuprosten. Das ist eine Tradition, die auf die Wikinger zurückgeht. Da tranken alle aus derselben Schale (daher der Name skål = Schale), die um den Tisch ging. Im Allgemeinen stoßen die Schweden und auch Kinder auf alles und zu allen Gelegenheiten an, mit Wein, Dessertwein, Schnaps, Bier oder Wasser. Anstoßen ist Pflicht!

Wie ist es bei formellen Anlässen? Früher sprach man einen Toast auf den König aus, egal ob er anwesend war oder nicht. Man toastete auf den Pfarrer im Dorf oder andere anwesende Respektspersonen. Immer war es der Gastgeber, der stehend den ersten Toast ausgab, danach die Gastgeberin und dann durfte jeder, der wollte, seinen Toast ausbringen. Heutzutage ist es etwas lockerer, aber meistens sind es die Gastgeber, die damit beginnen.

Wie geht man vor? Zuerst wendet man sich zu der Dame oder dem Herren nach rechts und danach nach links. Man hebt das Glas in Höhe des Kinns, schaut mit einem Lächeln nach rechts, nach links und dann zu den anderen Gästen. Jetzt hebt der Gastgeber das Glas weiter in Höhe der Nase, um es dann zum Mund zu führen und daraus zu trinken. Man schließt die ganze Prozedur, indem man wieder nach rechts, links und in die Runde sieht und das Glas abstellt. Danach stößt man mit der ersten Person rechts an, dann links und man lässt die Gläser klingen, wenn man möchte und vorausgesetzt, dass die Gläser nicht zu teuer und schwer zu ersetzen sind.

Es gibt eine Reihe Regeln, die zu beachten sind, wenn am Tisch mehr als acht Personen sitzen. Man darf mit der Gastgeberin nicht anstoßen, da sie ja nicht vor lauter Trinken unter den Tisch fallen soll. Mit dem Gastgeber darf man allerdings anstoßen, so oft man möchte.

Die Schweden halten bei Abendessen auch gerne Reden. Manche Gäste reden gerne lange, was Probleme bereiten kann, besonders wenn auch andere sprechen möchten. Es ist auch unhöflich. Der Zweck eines Essens ist es, in netter Gesellschaft zu sein und sich miteinander unterhalten zu können, während man isst. Diese Tradition der Tischreden hat sich mit den Jahren etwas gelockert. Jetzt werden die Reden kurz gehalten und die Gäste müssen nicht endlosen Monologen zuhören.

Die Platzierung der Trinkgläser zu Tisch ist denkbar einfach. Wir stellen sie in einer geraden Linie vor den Teller. Die Engländer z. B. stellen die Gläser in einer Gruppe links vom Teller. Das ist unpraktisch, wenn man den Dessertwein einschenken möchte und das Glas hinter dem Rotweinglas steht. Da das Servieren von Getränken immer von rechts geschieht, wäre es fast unmöglich, in das Glas einzuschenken ohne auf das Tischtuch zu schütten.  Bei uns stehen die Gläser ordentlich aufgereiht von rechts nach links, Wasser- und Schnapsglas (wenn solcher serviert wird), Weißwein- und Rotweinglas in der Mitte des Tellers und daneben das Glas für den Dessertwein. Den Willkommensdrink nimmt man NICHT zum Esstisch mit! Seiner entledigt man sich elegant auf einem Tisch an der Seite. Im Alltag ist es natürlich nicht so formell, aber man sollte immer im Kopf haben: Keine Bleistiftabsätze, keine matschigen Schuhe und kein Willkommensdrink auf dem Esstisch!

Heute essen wir jeden Gang, Vor- Haupt- und Nachspeise für sich. Das war nicht immer so. Wir begannen im frühen 19. Jahrhundert auf diese „russische“ Weise zu essen. So wie wir früher aßen, essen wir heute zu Festen wie Weihnachten und das hat seinen Ursprung im brännvinsbord und julbord des 16. Jahrhundert.

Das heutige julbord und smörgåsbord, ist eine Erfindung späterer Zeit. Dafür verantwortlich ist unser bekannter Maler Carl Larsson. In seiner Begeisterung für das Schwedische malte er ein Bild, das es so nicht gab, aber es hat geschmeckt! Als Nichtschwede versteht man das smörgåsbord besser als das julbord. Wie oft haben wir denn nicht einen armen Ausländer gesehen, der auf seinem Teller einen Berg aus Lachs, Sill, Fleischbällchen, lutfisk, weiße Soße, Schinken mit einem Klick süßen Maltareis und Beerensoße anhäufte?

Für ein julbord braucht man viele Teller und man muss 7 Mal zum Buffet gehen, wenn man es richtig machen möchte.

  1. Man beginnt immer mit dem Hering (sill) und vielleicht einem Erdäpfel. Bei einem guten julbord werden sieben Sorten Hering angeboten.
  2. Kalt- und warmgeräucherter Lachs, gravad und in Essigmarinade gekochten Lachs mit verschiedenen Soßen, dazu Eihälften mit Füllung und ev. noch ein Erdäpfel
  3. Kaltgeräuchertes Fleisch wie Würste und Paté mit Rote-Beete-Salat.
  4. Schinken mit verschiedenen Sorten Kraut und Bratensoße vom Schinken, in die Brot eingetunkt wird (dopp i grytan)
  5. Fleischbällchen oder Stockfisch (lutfisk), wenn man das mag, mit dazu passender Soße und mehr Kraut, vielleicht noch einen Erdäpfel. Mag man lutfisk nicht, nimmt man Kraut und Schinken.
  6. Käse mit verschiedenen gesalzenen Keksen
  7. Nachspeise

Später kommen natürlich selbstgemachte Süßigkeiten, Kuchen, Safransbäckerei (lussekatter), Kaffee und dann ist man halbtot...

Es ist wichtig, von Anfang an nicht zu viel in sich hineinzustopfen. Die meisten sind mit Hering und Lachs zufrieden. Mein Rat ist, sich von Erdäpfeln und Brot fernzuhalten und das zu essen, was teuer ist. So machen es alle Profis.

Text: Anders Wigh
Übersetzung: Ilse Kukla

 

[ zurück ]